27.08.2010
Freie Fahrt für das vernetzte Auto
Jeder Deutsche sitzt im Durchschnitt pro Jahr rund 12.500 Kilometer in seinem Fahrzeug. In einem 40-jährigen Arbeitsleben kommt so bei nur täglich 20 Minuten Fahrt ins Büro ein ganzes Jahr zusammen. Doch Fahrzeit im Auto kann man produktiver verbringen als nur damit, von A nach B zu kommen. Nahezu alle Hersteller arbeiten an Konzepten, die das Automobil zum Bestandteil des vernetzten Lebens und Arbeitens machen. Was früher die ‚Generation Golf‘ war, ist heute die ‚Generation iPod‘, die darauf drängt, das Auto vom „fahrbahren Untersatz“ zum „rollenden Endgerät“ weiterzuentwickeln und damit den letzten weißen Fleck des Internets verschwinden zu lassen. „Wir sind davon überzeugt, dass ab 2016 für die Mehrheit der Verbraucher in den etablierten Automobilmärkten die Vernetzung ihrer Fahrzeuge ein wichtiges Kriterium für die Kaufentscheidung sein wird“, prognostiziert Gartner-Analyst und Automobil-Experte Thilo Koslowski.
Horst Leonberger, der bei der Telekom mit einem Team von Spezialisten am vernetzten Auto der Zukunft arbeitet, ist sich sicher: „Wir sind nicht mehr so weit von einem Automobil entfernt, das uns die Dinge ermöglicht, die wir von PC, Internet und Smartphone kennen. Würde man funktionierende Lösungen und Pilotprojekte der Autohersteller, Zulieferer und ICT-Dienstleister in ein Fahrzeug packen, könnten wir schon heute die meisten Aufgaben unterwegs erledigen.“ Dank eines sprachgesteuerten Kommunikationssystems etwa können die Fahrer in naher Zukunft von unterwegs Verträge verschicken, ihre E-Mails beantworten und Termine vereinbaren. Auch für Mietwagen- und Flottenbetreiber eröffnen sich neue Geschäftsmodelle: zum Beispiel durch einen Öko-Bonus für besonders sparsames Fahren oder zuschaltbare Services wie Klima- oder Dolby-Surround-Anlage, die sich nachträglich online aktivieren lassen. Natürlich hat das Thema Sicherheit dabei Vorfahrt: Auf der Straße muss das „Multimediasystem im Automobil intuitiv und per Sprache steuerbar sein“, so der Automotive-Experte.
Gemeinsam mit BMW stellt die Deutsche Telekom bereits den Telematik-Dienst BMW Connected Drive zur Verfügung; inzwischen bietet der Münchner Autobauer in allen Fahrzeugklassen ein mitdenkendes Wartungssystem, erweiterte Verkehrsinfos, einen automatischen Notruf oder Google-Dienste an. Auch T-Systems und Continental entwickeln seit 2009 ein Multimediasystem – genannt AutoLinQ –, das Navigation, Internet- und Online-Dienste zusammenführt. Gemeinsam mit MAN hat T-Systems eine Telematik-Anwendung für die Lkw-Flottenbetreiber entwickelt, zu deren Funktionen ein digitales Fahrtenbuch und ein Fuhrpark- und Wartungsmanagement gehören.
Mehr zum vernetzten Auto erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von Best Practice, die am 22.September erscheint.